Hans Lang – Nach Südamerika, angekommen in Hamburg

Er wollte nach Südamerika und kam bis zum Hamburger Hafen. Dieser eine abgebrochene Reiseplan erklärt, warum Hans Lang als Deutscher Meister in Hamburg gefeiert wird und nicht in Fürth. Nur gut zwei Jahre trug der Augsburger das Kleeblatt. In dieser Zeit wurde er Nationalspieler und stand in der Auswahl des Südens, die den Norden 7:0 abfertigte. Und am Neujahrstag 1923 stand er in Mailand im Mittelpunkt einer Mannschaft, die als die vermutlich stärkste galt, die Deutschland damals aufbieten konnte.

Zeitstrahl: Hans Langs Laufbahn · 1920–1943
Hans Langs Laufbahn · 1920–1943
»Hans Lang war bald eine Stütze der Spielvereinigung Fürth geworden, und er paßte wie kein Zweiter in jene Elf der großen Techniker, der Dribbler und der Zauberer.«
Die Deutschen Nationalspieler, 1939

Ein Schwabe wird Kleeblättler

Kicker Bilderwerk, Nummer 166, Hans Lang (SpVgg Fürth)
Hans Lang auf einem Sammelbild des Kicker-Bilderwerks (Nr. 166)

Hans Lang wird am 8. Februar 1899 in Augsburg geboren. Laut Kleeblatt-Chronik spielt er von 1909 an beim TV 1871 Augsburg-Oberhausen, 1920 wechselt er zum BC Augsburg. Die englischsprachige Wikipedia schreibt, er habe im Ersten Weltkrieg an der Westfront gedient und sei von 1918 bis 1920 in französischer Kriegsgefangenschaft gewesen. Zeitgenössisch belegt ist das in den geöffneten Quellen nicht.

Entdeckt wird er durch einen Zufall. Das Nationalspieler-Lexikon von 1939 erzählt die Geschichte so: Für ein Spiel einer süddeutschen Verbandsauswahl gegen die österreichische Nationalelf fällt Läufer Carl Riegel krank aus. Man holt eilends einen Ersatzmann aus Augsburg. Der fällt durch Technik und feine Ballbehandlung auf, und am nächsten Tag ist sein Name »in aller Munde«. Ein Datum für dieses Spiel nennt das Buch nicht.

Einer, der das gesehen hat, ist Fürths Torhüter Theodor »Teddy« Lohrmann. Er überredet den Augsburger, zur Spielvereinigung zu kommen. Im August 1921 ist Lang da, so die Chronik. Die deutsche Wikipedia nennt 1922, die Saisonstatistik der Chronik führt ihn aber schon 1921/22 mit 17 Ligaspielen. Aus dem »Schwaben« wird schnell ein Kleeblättler.

Der Außenläufer mit dem feinen Fuß

Lang ist Läufer, meist auf der linken Seite, bei Bedarf in der Mitte. Das Lexikon von 1939 nennt als »Stammposten« den linken und den Mittelläufer. Er passt in eine Fürther Mannschaft, die für Kombinationsfußball berühmt ist. Für einen Läufer trifft er erstaunlich oft: 11 Tore in 40 Ligaspielen weist die Chronik für seine Fürther Zeit aus.

Auch der Süddeutsche Fußball-Verband setzt auf ihn. Am 5. März 1922 steht Lang in der Auswahl des Südens, die im Endspiel um den Bundespokal den Norden mit 7:0 schlägt. Gespielt wird in Hamburg. Es ist wohl sein erster großer Auftritt in der Stadt, in der er später Wurzeln schlagen wird. Neben ihm spielen Hans Kalb und Heinrich Schmidt, vorne Franz, Seiderer, Träg und Sutor.

Drei Wochen später ist er Nationalspieler. Am 26. März 1922 spielt Deutschland in Frankfurt gegen die Schweiz 2:2. Die Aufstellung ist eine kleine Fürther Vereinsmeisterschaft: Lohrmann im Tor, Wellhöfer und Josef Müller in der Verteidigung, Lang und Hagen als Außenläufer, Franz und Seiderer im Sturm. Sieben Fürther stehen auf dem Platz, Franz schießt beide deutschen Tore, Seiderer ist Kapitän. Die Nürnberger fehlen, weil ihr Club gerade auf Spanienreise ist. Die Aufstellung hatte der DFB-Spielausschuss übrigens schon sechzehn Tage vorher bekanntgegeben, Form hin oder her.

Der große Tag: Neujahr in Mailand (Januar 1923)

Das zweite und letzte Länderspiel des Fürthers Hans Lang ist zugleich ein Stück Fußballgeschichte. Am 1. Januar 1923 treffen Italien und Deutschland zum ersten Mal aufeinander. Nach dem Krieg ist die deutsche Nationalelf international weitgehend isoliert. Dass ausgerechnet der Kriegsgegner Italien sie einlädt, zeigt, dass die Blockade zu bröckeln beginnt, so sieht es die »Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft«.

Gespielt wird am Neujahrstag in Mailand auf dem Campo di viale Lombardia. Eine Statistikseite nennt 25.000 Zuschauer. Schiedsrichter ist der Schweizer E. Stutz. Der Spielausschuss schickt diesmal seine beste Elf, nur Nürnbergs Mittelläufer Hans Kalb fehlt mit einem Beinbruch. Seinen Platz im Zentrum der Läuferreihe übernimmt Hans Lang, eingerahmt von Hans Hagen und Heinrich Schmidt. Aus Fürth sind außerdem Josef Müller in der Verteidigung sowie Andreas Franz und Leonhard Seiderer im Sturm dabei. Macht fünf Kleeblättler. Kapitän ist der Nürnberger Heinrich Träg, im Tor steht Heiner Stuhlfauth.

Die erste Halbzeit bleibt torlos. Nach der Pause spielen die Deutschen stärker, eine italienische Rückschau spricht von ihrer besseren körperlichen Verfassung. In der 72. Minute trifft Seiderer zum 0:1. Sieben Minuten später gleicht Luigi Cevenini aus. Und dann kippt das Spiel in der Schlussphase: Aristodemo Santamaria trifft in der 85., Enrico Migliavacca kurz vor Schluss. Die Quellen nennen dafür die 88. oder die 89. Minute.

Spielkarte: Italien – Deutschland 1923 · drei Gegentore in den letzten elf Minuten
Italien – Deutschland 1923 · drei Gegentore in den letzten elf Minuten

Deutschland verliert 1:3. Für Lang, den Ersatz-Mittelläufer, ist es trotzdem ein Ritterschlag. In einem Jahr, in dem der DFB in drei Spielen 25 verschiedene Spieler einsetzt, gehört er zu der einen Elf, die als die beste gilt.

»Zur erwähnten Neujahrsbegegnung gegen Italien lief die seinerzeit vermutlich stärkste Elf auf, die Deutschland zu bieten hatte. Lediglich Nürnbergs Hans Kalb fehlte wegen Beinbruchs.«
Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft

Endstation Hamburg

Im Frühjahr 1923 steht Lang auf dem Höhepunkt, und gerade da packt ihn die Wanderlust. Er will nach Südamerika auswandern. Das Lexikon von 1939 verortet den Plan in der Inflationszeit, als das Geld jeden Monat weniger wert ist. Doch Lang kommt nur bis Hamburg. Die Kleeblatt-Chronik sagt, er sei in der Hafenstadt »hängen« geblieben, und das Libero-Heft spricht vom Hamburger Hafen. Ein Schiff nach Südamerika nimmt er nie.

Ganz glatt geht der Abschied nicht. Laut Libero fehlte Lang den Fürthern in der Endrunde 1923 wegen eines Beinbruchs, und Fürth schied im Halbfinale gegen Union Oberschöneweide aus. Die Chronik führt ihn noch mit sechs Ligaspielen in der Saison 1923/24 und als Fürther bis November 1923. Wann genau er ging, bleibt deshalb offen.

In Hamburg schließt er sich dem HSV an. Nach einer Wechselsperre von mehreren Monaten wird er dort sofort Stammspieler. Mit dem HSV wird er 1924 Deutscher Vizemeister, und am 29. Juli 1928 gewinnt er in Altona das Endspiel gegen Hertha BSC mit 5:2. Da ist er Deutscher Meister, allerdings als Hamburger. Als HSV-Spieler kommt er auf acht weitere Länderspiele, das letzte am 18. April 1926 in Düsseldorf gegen die Niederlande. Danach berücksichtigt ihn Reichstrainer Otto Nerz nicht mehr. Die Chronik vermutet persönliche Gründe, kennt sie aber nicht. Im Norden nennt man den Augsburger den »Bayer des Nordens«.

1930 hört er laut Chronik und der HSV-Geschichtsseite hsv1887.de auf. Ein Libero-Mannschaftsfoto des HSV aus der Saison 1930/31 zeigt ihn allerdings noch im Kader. Von Beruf ist Lang Sportlehrer, und er bleibt beim Fußball. Er trainiert die SpVgg Polizei Hamburg und von 1935 an den HSV, der unter ihm von 1937 bis 1939 dreimal in Folge die Gauliga gewinnt.

Zu Beginn der Saison 1939/40 wird er zur Luftwaffe eingezogen. Hans Lang stirbt am 27. April 1943 im Alter von 44 Jahren in einem Wehrmachtslazarett auf dem Fliegerhorst Aalborg in Dänemark, laut hsv1887.de an einem Herzinfarkt. Er ist auf dem Soldatenfriedhof in Frederikshavn begraben.

Hans Lang auf einen Blick

Geboren: 8.2.1899 in Augsburg
Gestorben: 27.4.1943 in Aalborg (Dänemark)
Spitzname: »Bayer des Nordens« (in Hamburg)
Vereine: TV 1871 Augsburg-Oberhausen (1909–1920), BC Augsburg (1920–1921), SpVgg Fürth (1921–1923), Hamburger SV (1923–1930)
Position: Außenläufer, auch Mittelläufer
Titel: Bundespokal mit Süddeutschland 1922 und 1923; Deutscher Meister 1928 und Vizemeister 1924 mit dem HSV
Bilanz: Für Fürth 40 Ligaspiele und 11 Tore; 10 Länderspiele (1922–1926), davon 2 als Fürther
Beruf: Sportlehrer
Trainer: SpVgg Polizei Hamburg (1929–1935), Hamburger SV (1935–1939), SK Komet Hamburg (1939/40)

Quellen

Kleeblatt-Chronik: Hans Lang · Die Deutschen Nationalspieler (1939) · Die Geschichte der Fußball-Nationalmannschaft · Kicker-Almanach 1959 · Libero International · HSV1887: Hans Lang · Wikipedia: Hans Lang · Wikipedia: Deutsch-italienische Fußballrivalität · 11v11: Italy v Germany 1923 · Tuttomercatoweb: Amarcord 1° gennaio 1923 · Calciomercato.com: Italia e Germania, la prima volta · DFB-Datencenter