Biografien
Zweiundzwanzig Spieler der SpVgg Fürth haben das Trikot der deutschen Nationalmannschaft getragen, vom ersten Fürther Länderspiel 1909 bis zu den Weltmeistern von 1954. Auf diesen Seiten erzähle ich ihre Geschichten. Jede Biografie beruht auf zeitgenössischen Zeitungen, Almanachen, Vereinschroniken und Fachliteratur. Wo sich die Quellen widersprechen, sage ich es.
Hans Hagen – der grimmige Prinz vom Ronhof
Zwölf Länderspiele, zwei Meistertitel und eine Kriegsnarbe, die ihm seinen Spitznamen gab. 1929 führte er als Kapitän eine Mannschaft zur Meisterschaft, die gar keinen Trainer hatte.
Georg Wellhöfer – 153 Minuten bis zum Titel
Der Verteidiger der ersten Fürther Meisterelf von 1914: ein Endspiel, das erst nach 153 Minuten entschieden war, und danach ein Krieg, der die halbe Mannschaft kostete.
Julius »Juller« Hirsch – vier Tore, zwei Titel, ein ausgelöschter Name
Deutscher Meister mit Karlsruhe und Fürth, erster deutscher Nationalspieler mit vier Toren in einem Länderspiel. Als Jude wurde er 1933 ausgegrenzt und 1943 deportiert und ermordet.
Herbert Erhard – der Ertl, der Di Stéfano stoppte
Weltmeister 1954 ohne eine Minute Einsatz, danach 49 Länderspiele als Fürther und Kapitän der Nationalelf. Über ein Jahrzehnt war Herbert „Ertl“ Erhard der Chef der Kleeblatt-Abwehr, und an einem Märzabend 1958 in Frankfurt nahm er Alfredo Di Stéfano aus dem Spiel.
Ludwig Leinberger – der Haberer, den der Club nicht wollte
Der 1. FC Nürnberg hatte schon Hans Kalb, also ging Ludwig Leinberger 1925 nach Fürth. Dort wurde der »Haberer« zweimal Deutscher Meister, bestritt 24 Länderspiele und führte die Nationalelf elfmal als Kapitän an. Sein denkwürdigster Tag: das Olympia-Skandalspiel gegen Uruguay 1928.
Karl Mai – der Schatten von Kocsis
182 Oberligaspiele für das Kleeblatt, 18 seiner 21 Länderspiele als Fürther und ein Titel, den kaum ein anderer Fürther hat: Weltmeister. Im Finale von Bern bekam Charly Mai den Auftrag, Torschützenkönig Sándor Kocsis auszuschalten – und der traf nur noch die Latte.
Karl Burger – der erste Fürther im Nationaltrikot
Der Stuttgarter Karl Burger war der erste Spieler des Kleeblatts im Nationaltrikot, und sein Debüt 1909 in Karlsruhe war zugleich der erste Länderspielsieg Deutschlands überhaupt. Elf Länderspiele, ein Tor beim 16:0 von Stockholm und 1914 die Meisterschaft als Fürther Kapitän.
Andreas Franz – »Resi« und die drei Tore im Zabo
Die Tore im Endspiel 1914 schoss sein Bruder Karl – doch Andreas »Resi« Franz wurde der berühmtere Franz: zwei Meistertitel, zehn Länderspiele, keine einzige Verwarnung. Sein größter Tag: drei Tore gegen Österreich, ausgerechnet im Stadion des Clubs.
Josef Müller – der Sepp, der die Stürmer kommen ließ
Ein Allerweltsname, aber ein besonderer Verteidiger: Sepp Müller kam 1921 aus Ludwigshafen an den Ronhof, wurde 1926 Deutscher Meister und bestritt als Fürther zehn Länderspiele. Angefangen hatte alles mit einer Dampferfahrt ohne Trainer und einem 3:3 in Helsingfors.
Leonhard Seiderer – der Mittelstürmer, der auch ins Tor ging
Elf Jahre lenkte Lony Seiderer den Fürther Sturm, acht Mal spielte er für Deutschland, vier Mal als Kapitän. Wenn Not am Mann war, ging der Mittelstürmer sogar ins Tor, im Pokalfinale wie im Länderspiel. Im Juni 1926 führte er Fürth verletzt zur Meisterschaft.
Hans Fiederer – das Talent, das zur Feder griff
Mit 21 hatte der Fürther Halblinke sechs Länderspiele und 44 Gauligatore auf dem Konto, beim 9:3 gegen Rumänien traf er an Fritz Walters Seite doppelt. Ein Handgranatenanschlag in Paris beendete 1942 seine Karriere. Hans Fiederer machte trotzdem weiter, als Sportjournalist und ab 1949 als Chefredakteur.
Georg Frank – Vier Tore im Schnee
Nur vier Länderspiele, aber fünf Tore: Georg »Allan« Frank traf 1929 in Mannheim viermal gegen die Schweiz und schoss in Turin das Siegtor gegen Italien. In Fürth war der Halblinke fast zwei Jahrzehnte gesetzt und holte 1929 die Meisterschaft.
Karl Auer – der Kopfball von Amsterdam
Klein, flink, torgefährlich: Karl Auer holte mit Fürth 1926 die Meisterschaft und bestritt drei Länderspiele mit zwei Toren. Sein Kopfball in Amsterdam brachte 1924 den ersten deutschen Sieg über Holland, doch die Nürnberger Mitspieler drehten ihm dabei den Rücken zu.
Theodor Lohrmann – der Riese, der Stuhlfauth herausforderte
1920 holte Fürth den Mannheimer Torwartriesen Theodor Lohrmann, um Nürnbergs Stuhlfauth etwas entgegenzusetzen. In drei Länderspielen kassierte er kein Gegentor, solange er im Tor stand. Die zwei Schweizer Tore von 1922 fielen erst, als man ihn verletzt vom Platz getragen hatte.
Georg Knöpfle – Vom Knopf zum Meisterschmied
Zwei Jahre, 38 Ligaspiele und drei Länderspiele als Fürther: Der kleine Läufer aus Schramberg, den am Ronhof alle nur »Knopf« riefen, war die »verkörperte Energie«. Seine größte Stunde kam 36 Jahre später auf der Kölner Trainerbank, als er 1964 den ersten Bundesliga-Titel schmiedete.
Horst Schade – der Torfabrikant aus Sachsen
Im Januar 1948 kam der Sachse Horst Schade an den Ronhof und schoss 104 Tore in 129 Oberligaspielen, dazu den Aufstieg und die Süddeutsche Meisterschaft 1950. Herberger holte ihn nur zweimal als Fürther in die Nationalelf, seinen großen Tag hatte er im Mai 1951 mit drei Toren gegen seinen alten Dresdner Kameraden Walter Dzur. Sein Wechsel zum Club 1953 sorgte in Fürth für blankes Entsetzen.
Georg Kießling – der Görg mit dem Debüttor
Zwei Länderspiele, ein Tor – und das gleich beim Debüt in Kopenhagen. Georg Kießling, der »Görg« vom linken Flügel, wurde mit der SpVgg Fürth 1926 und 1929 Deutscher Meister und bereitete seine größten Momente oft anderen vor.
Hans Lang – Nach Südamerika, angekommen in Hamburg
Nur gut zwei Jahre spielte der Augsburger Hans Lang für das Kleeblatt, doch er wurde in Fürth Nationalspieler und stand beim ersten Duell mit Italien am Neujahrstag 1923 in Mailand in der Mitte der Läuferreihe. Dann wollte er nach Südamerika auswandern und kam nur bis Hamburg.
Richard Gottinger – 38 Minuten Nationalspieler
670 Spiele für die SpVgg, 347 davon in der Oberliga Süd: Richard Gottinger war einer der Großen des Ronhofs. Sein einziges Länderspiel gegen das Saarland endete nach 38 Minuten, und für ihn kam der spätere Weltmeister Horst Eckel.
Hans Schmidt – Bumbes, der Allgegenwärtige
Deutscher Meister 1914 mit Fürth, obwohl ihn der Schiedsrichter im Endspiel vom Platz stellte. Danach drei Titel beim Club, 16 Länderspiele und vier Meisterschaften als Trainer. Sein schönster Fürther Tag kam erst 1956: als Trainer beim 7:2 im Zabo.
Willy Ascherl – der kleine Linke mit dem Doppelpack
Klein, schnell und immer auf der linken Seite: Willy Ascherl traf 1926 im Endspiel gegen Hertha und bestritt 1924 in Amsterdam sein einziges Länderspiel. Seinen größten Auftritt hatte er im Bundespokal-Finale 1924, als er Süddeutschland mit zwei Toren zum 4:2 gegen den Norden schoss. 1929 starb er mit nur 27 Jahren.
Leo Fiederer – der Allrounder und der erste Sieg
Nur gut ein Jahr spielte Leo Fiederer für das Kleeblatt: 11 Tore in 14 Ligaspielen, Endspiel 1920, ein Länderspiel. Dieses eine brachte Deutschland den ersten Sieg nach dem Ersten Weltkrieg. Danach zog der Allrounder ins Ruhrgebiet.